Schülerfahrt in unsere Partnerstadt

Die letzte Woche vor den Sommerferien verläuft an den Schulen meist eher ereignislos. Für 15 Schülerinnen und Schüler der Altkönigschule Kronberg war das dieses Jahr anders. Sie besuchten Kronbergs Partnerstadt Aberystwyth in Wales und sind sich einig: 1200 Kilometer Anreise mit der Bahn haben sich gelohnt.

Aberystwyth ist eine malerische Kleinstadt an der Irischen See, natürlich fand sich Zeit zum Baden. Auf dem Programm stand aber auch eine Bootsfahrt, bei der man mit etwas Glück Delfine zu Gesicht bekommt. Die begleitenden Lehrer Sonja Schäfer und Stefan Zürn, die schon öfter an Bord waren, hatten noch nie so viele gesehen wie dieses Mal, die Meeressäuger schienen sich geradezu auf den Besuch vorbereitet zu haben. Lehrreich war es dank der vielen Erklärungen des Kapitäns auch. Wussten Sie, dass neugeborene Delfine ihre Zunge zu einer Art Strohhalm einrollen, um bei der Mutter zu trinken, ohne Salzwasser zu schlucken?

Viel Neues erfuhren die Kronberger auch bei einem Treffen mit den Betreibern des Museums, die Ausstellungsgegenstände mitgebracht hatten. In Kleingruppen besprachen sie mit den Schülern historische Küchengeräte und Petroleumlampen, aber auch die Kronberger hatten sich vorbereitet. Im Stuhlkreis zeigten sie den Walisern Gegenstände aus der Heimat. Nun wissen zumindest fünf Menschen in der Partnerstadt, was ein Bembel ist.

Beiden Städten ist die Partnerschaft eine Herzensangelegenheit, besonders seit dem Brexit, der von den Walisern mehrheitlich abgelehnt wurde. Der stellvertretende Bürgermeister ließ es sich nicht nehmen, den Jugendlichen persönlich die Burgruine und die Uferpromenade zu zeigen und sie zum Abschluss im Rathaus zu Welsh Cakes einzuladen.

Auch die walisischsprachige Schule der Stadt zeigte großes Interesse an den deutschen Schülern und empfing sie mit einem vielköpfigen Chor und einem traditionellen Holzschuhtanz. Die Kronberger sorgten mit einem Quiz über weit verbreitete Vorurteile für lehrreiche Unterhaltung. In den Köpfen vieler Briten tragen Deutsche grundsätzlich Socken in Sandalen und stehen im Urlaub in aller Herrgottsfrühe auf, um eine Strandliege mit einem Handtuch zu reservieren, da galt es, für Aufklärung zu sorgen. Besonders gut kam eine reichhaltig bebilderte kulinarische Deutschlandreise an, vom Frankfurter Kranz über die Schwarzwälder Kirschtorte bis zur Donauwelle. Für ihre Aufmerksamkeit wurden die Waliser mit Marmorkuchen belohnt, der restlos verputzt wurde, obwohl ihm die lange Reise offensichtlich nicht gut getan hatte.

Stolz zeigt der stellvertretende Bürgermeister den Gästen aus der Partnerstadt die Burgruine

Es ist für britische Schüler nicht leicht, nach Deutschland zu reisen, weil sie nicht in Familien untergebracht werden dürfen. Beide Seiten überlegen daher seit Jahren, wie man den Austausch dennoch ausweiten kann. Hoffnung macht der walisische Kulturverein Urdd, dem über 50000 Jugendliche angehören. Er lud zum traditionellen Fish and Chips auf der Promenade von Aberystwyth ein, wobei nicht nur neue Freundschaften entstanden, sondern auch der Plan, eine Gruppe interessierter Schüler für eine Woche an die Altkönigschule zu holen. Die Begleitlehrer suchen nun nach einer Unterkunft.

Die Kronberger Schüler waren in einem Wohnheim der Uni untergebracht, was einen ganz besonderen Lernzuwachs mit sich brachte. In kleinen Teams wurde täglich für alle Teilnehmer gekocht. Wieviel Zeit man braucht, um 15 Heranwachsende mit Pfannkuchen zum Frühstück zu erfreuen und welche Kollateralschäden dabei in der Küche entstehen können, war für Einige überraschend.

Solche Begegnungsfahrten sind nur möglich, weil viele Menschen sich mit viel Herzblut dafür einsetzen. Das gilt auch für die Teilnehmer selbst, die in mehreren Pausen Würstchen an ihre Mitschüler verkauft hatten, um die Fahrt mitzufinanzieren. Ein besonderer Dank gilt aber auch den Partnerschaftsvereinen. Die Waliser Seite bezahlte die Bootsfahrt, die Kronberger Seite unterstützte die Begegnung mit einer sehr großzügigen Spende.

Artikel von Stefan Zürn